Tuning a Vanguard-Finn

G 1470 – Bj. Feb. 1984

Vanguard-Finn – für die Olympiade 1984 in Los Angelos hergestellt

1. Eigentümer: L.A.O.C – Los Angelos Olympic Committee

Die von 1975 bis Anfang der 90er Jahre in 5 Ausführungen (Entwicklungsstufen) hergestellten Vanguard-Finns  bieten als preisgünstige Einsteigerboote etliche Verbesserungsmöglichkeiten, die hier nach und nach vorgestellt werden sollen:

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  • Nachrüsten eines verstellbaren Decksringes

Vanguard-Finns wurden vor Einführung der Carbonflügelmasten hergestellt und besassen daher keinen verstellbaren Decksring. Bei Verwendung eines Flügelmastes verschiebt sich der Segelschwerpunkt um mehrere  Zentimeter nach achtern. Daher muss der Mast im Decksbereich  ein paar Zentimeter nach vorn versetzt werden, um den  Bremseffekt einer zu starken Luvgierigkeit zu vermeiden. (Bei der Steinhuder Kehrausregatta 2010 lag ich an der ersten Luvtonne teilweise noch im Mittelfeld, wurde dann im weiteren Verlauf der Wettfahrten immer weiter nach hinten durchgereicht, da das Boot zu luvgierig und ca. 10 kg zu schwer war.)

Die Kosten eines Nachrüst-Kits (ca. 250 – 300 EUR)  wollte ich mir ersparen und wählte daher die folgende Vorgehensweise:

Auf dem obigen Foto sehen wir vorn bzw. unten  die per Stichsäge vorgenommene, rechteckige Vergrösserung der Decksöffnung, Die vorhandene Struktur der Decksöffnung sowie der Decksverstärkungen wurde im hinteren Bereich weitgehend erhalten.

Am vorderen Ende des Decksausachnittes wurde zur Vertärkung ein hölzener Decksbalken eingezogen und mit dem Deck verbolzt.  Wie wir sehen, wurde  Epoxid-Knetmasse verwendet, um Hohlräume zwecks Verstärkung auszufüllen.

Hier sehen wir die Form der aus Holzleisten zusammengefügten Decksverstärkung, die nicht nur die vorlichen sondern auch die seitlichen Kräfte aufnehmen soll und an die bestehenden, diagonal verlaufenden Decksverstärkungen angepasst wurde.

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Fertig !

Der  Deckslochschlitten wurde übrigens aus einem Küchen-Schneidbrett hergestellt, indem zwei Lagen übereinandergelegt und miteinander verbolzt wurden.

Ca, 3 Zentimeter steht der Mast jetzt weiter vorn im Boot.   Noch mehr Spielraum liess die Mastfussführung (s. unteres Foto)  leider nicht zu.

Original-Mastfuss, der vorn noch um ca. 1 cm gekürzt werden muss,  Die ca. 1cm dicke Bodenplatte des topfartigen Mastfusses wurde ebenfalls abgetrennt und durch eine dünnere, untergebolzte Bodenpatte ersetzt. Der Abstand Mastfuss zum Deck entspricht jetzt ungefähr dem Devoti-Mass.

Links im Bild sehen wir übrigens, wo sich das zwecks grösserer Vorschiffsflexibilität entfernte Bugschott befunden hat.

Modifizierter Mastfuss !

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  •  Entfernen der Ausgleichsgewichte

Da bis ca. 1996 ein Rumpfgewicht von 125 kg vorgeschrieben war, sind ältere Vanguard-Rümpfe ca. 9 kg zu schwer.

Nach Öffnung sämtlicher Inspektionsöffnungen war in meinem, erst kürzlich erworbenen G 1470 jedoch kein Blei zu finden, so dass ich annahm, dass die Ausgleichsgewichte  bereits herausgenommen worden seien, als ich an der Kehrausregatta teilnahm.  Dort erwies sich das Boot als minimal langsamer als die Konkurrenz  und leistete auch beim Aufslippen einen als hoch empfundenen  Widerstand. Vorm Wind lag es aufgrund des breiten Hecks und des hohen Gewicht’s sehr stabil im Wasser und war gar nicht mit meinem 1980er Hein-Leichtbau Finn zu vergleichen, bei dem ich stets das Gefühl hatte, aufgrund extremer Rollbewegeungungen  aus dem Boot katapultiert zu werden

Laut meiner 200kg Zugwaage war das Boot erheblich zu schwer und nachdem ich vom DSV eine Messbriefkopie erhalten hatte, ergaben sich Anhaltspunkte dafür, dass sich noch ca. 8,5 kg Blei im Boot befinden mussten.

Die Digitalkamera brachte es an den Tag. Die ehemals mit 4 Holzschrauben an den Bodenstringern befestigte Kunststoffwanne mit 8, 5 kg Blei hatte sich selbstständig gemacht und war nach vorn bis unter den Grossschotblock gerutscht.

In dieser Position haben sich die Ausgleichsgewichte ursprünglich unter dem Inspektionsdeckel im hinteren Bereich des Cockpits befunden.

G 1470 ist offenbar anlässlich der Olympischen Spiele 1984 – Los Angeles vermessen worden und wurde dort vermutlich bei den Finn-Regatten eingesetzt. Das Boot hatte das L.A.O.C. sowie Bud Tretter und Scott Griffith als  Vorbesitzer bevor es laut Messbrief von Peter Raderschadt übernommen wurde.

Der Zustand des 26 Jahre alten Bootes ist übrigens noch recht gut, da Vanguard bei der Herstellung hochwertige Materialien verwendet hat. Das Gelcoat besteht aus Neo Phental Glycol – NPG und soll das teuerste, härteste und dauerhafteste Material sein. Das GfK wurde auf Stahltischen ausserhalb der Form mit einem speziellem Harz getränkt, wobei das ideale Mischungsverhältnis von 50:50 erreicht  und somit leichte und zugleich  sehr stabile Bootsrümpfe entstanden sind.

Ich freue mich jedenfalls, dass das aktuell geltende Mindestgewicht von 116 kg problemlos ohne Eingriff in die Strukturen des Bootsrumpfes erreicht werden konnte.

Fortsetzung folgt !

Comments

  1. Andy F says

    Uwe, interessanter Bericht, mit technischen Schwierigkeiten, bitte auf dem Laufenden halten. Die GFK Matten wurden nach Tränkung, so nehme ich an, noch nass in die Form gelegt und an die Form gerollt und angepresst oder ? Weisst du das ?

    Da schobst du ja mit 8 kg Blei im Bug vorne unter Mast, eine mächtige Welle Vorwind vor dich her oder ? Smile.

    Andy F

  2. Andy F says

    Uwe, habe beim Nachlesen meinen Fehler im Bericht soeben zugesandt bemerkt, der Bleiblock ist ja “nur” bis zur Mitte und Grossblock gerutscht. Eigentlich ideal von der Massenverteilung her könnte man meinen. Ich weiss noch ohne Pendeltest nur rein theoretisch. So mit 8 kg im Heck wie übrigens auch älteren Patas ( 5 kg Block in Hecktank auf Ruderverstärkung innen angeschraubt oder auch Transom-höhe ) müssen die Boote ja vorne relativ hart und mit viel Harz laminiert sein, damit sie durch den Pendeltest kamen.

    Andy F

  3. - Uwe - GER 110 says

    Andy, wie die mit Harz getränkten GfK-Matten weiter verarbeitet wurden, ist mir leider nicht bekannt. Ich vermute jedoch, dass überschüssiges Harz zuvor auf den Stahltischen herausgepresst wurde.
    Mehr Harz als nötig, bringt ja nur Gewicht aber keineswegs mehr Festigkeit.

    Bei der Regatta hatte ich übrigens nicht nur das Blei an Bord, sondern auch 2 kg zu viel Trinkwasser. Da der Schwertbolzen nicht richtig angezogen war, hatte ich zusätzlich noch Wasser in den beidseitig des Schwertkastens gelegenen Lenzkanälen.
    Ich mussste also das Boot lenzen, während Friedrich Müller, mit dem ich einmal an der Luvtonne zusammengetroffen war, pumpend davonzog. .-)
    Ich war daher sehr froh, als ich doch noch das Blei fand, da ich bereits geplant hatte, das Bugschott herauszuflexen.

  4. Michael says

    Interessanter und schöner Umbau,
    leider sind die Schrauben im Deck nicht die schönsten.. Könnte man diese nicht dezenter verbauen? Evtl Schlossschrauben benutzen?!

  5. - Uwe - GER 110 says

    Dezenter verbauen :-)

    Ich war froh, Niroschrauben in der erforderlichen Länge zu bekommen und hoffe, dass das Sportgerät durch den Umbau etwas schneller georden ist.

  6. Michael says

    Welche Abmessungen müssen die Schrauben denn haben?
    Kann ja hier mal meine Augen aufhalten.